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Deutsche Stadt 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer immer noch geteilt

Erhaltener Abschnitt der innerdeutschen Grenzmauer bei Mödlareuth, Bayern/Thüringen. Von Angelo D Alterio – CC BY-SA 2.5 
Erhaltener Abschnitt der innerdeutschen Grenzmauer bei Mödlareuth, Bayern/Thüringen. Von Angelo D Alterio – CC BY-SA 2.5

Dreißig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer gibt es in Deutschland immer noch eine Stadt, die zwischen Ost und West geteilt ist.

Die Stadt Mödlareuth hat zwar nur fünfzehn Häuser, dafür aber zwei Bürgermeister, zwei Vorwahlen und zwei unterschiedliche Sprechweisen.

Seit 1810 liegt die Stadt an der Grenze zweier deutscher Staaten, Bayern und Thüringen, doch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war das für die Einwohner nie ein Problem.

Mit der Teilung Deutschlands zwischen der Sowjetunion und den USA wurde Mödlareuth entlang der Grenze zwischen beiden Staaten aufgeteilt. Die Sowjets besetzten den Ostteil der Stadt, während die Amerikaner den Westteil übernahmen.

Nach der Teilung wurde eine Mauer errichtet, um die beiden Seiten zu trennen. Sie war mit Wachtürmen, Landminen und Maschinengewehren ausgestattet. Mödlareuth wurde als „Klein-Berlin“ bekannt.

Mödlareuth – Ein Teil liegt heute in Bayern, der andere in Thüringen. Von Benreis – CC BY-SA 4.0
Mödlareuth – Ein Teil liegt heute in Bayern, der andere in Thüringen. Von Benreis – CC BY-SA 4.0

Von der Mauer ist nur noch ein kleiner Teil erhalten, die Stadt ist jedoch immer noch geteilt.

Jason Johnson ist der Autor von „Divided Village: Der Kalte Krieg im deutschen Grenzgebiet“. Er sagt, die Stadt sei im heutigen Deutschland eine „Kuriosität“ .

https://youtu.be/lONOJ4eKVzg

Laut Johnson hat die Stadt immer noch zwei Bürgermeister, zwei Postleitzahlen und zwei Vorwahlen. Um mit jemandem auf der anderen Straßenseite zu sprechen, muss man ein Ferngespräch führen. Es gibt sogar unterschiedliche Schulen für die Kinder auf beiden Seiten der Stadt.

Einem gelegentlichen Touristen in Mödlareuth fällt vielleicht der Unterschied in der Begrüßung auf, den die Einwohner auf beiden Seiten der Wasserscheide verwenden. Auf der bayerischen Seite begrüßt man sich mit dem traditionellen bayerischen 

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„Grüß Gott“, während man auf der anderen Seite den deutschen „Guten Tag“ verwendet .

Grenzort Mödlareuth. Der Bach bildet die Zonengrenze zwischen Thüringen und Bayern und verläuft mitten durch den Ort. Von Bundesarchiv – CC BY-SA 3.0 de
Grenzort Mödlareuth. Der Bach bildet die Zonengrenze zwischen Thüringen und Bayern und verläuft mitten durch den Ort. Von Bundesarchiv – CC BY-SA 3.0 de

Die Bewohner wurden einmal gefragt, ob sie die beiden Teile des Dorfes vereinen wollten, und sie entschieden sich einstimmig dagegen.

Ingolf Hermann arbeitet im örtlichen Museum. Er sagt, es gebe Anzeichen dafür, dass die Gemeinde zusammenwächst. Die Bewohner treffen sich jetzt zu Veranstaltungen im Gemeindezentrum auf der thüringischen Seite der Grenze. Dieses Jahr wurde statt zwei Maibäumen nur ein einziger aufgestellt, der von beiden genutzt werden kann.

Die Sowjets besetzten die gesamte Stadt, zogen sich jedoch auf die thüringische Seite zurück und überließen den bayerischen Teil den USA. Die Mauer wurde 1952 errichtet, um zu verhindern, dass Menschen heimlich über die Grenze kamen.

1961, fünf Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer, hatte Mödlareuth eine eigene Betonmauer. Das Leben in Mödlareuth unterschied sich jedoch vom Leben im geteilten Berlin.

Mitten durch den Ort verlief die ehemalige Staatsgrenze der DDR, wodurch Mödlareuth so etwas wie ein „Mini-Berlin“ mit allem Drum und Dran war: Im Kern der Kleinstadt befanden sich eine 700 Meter lange Mauer und mehrfach versetzte Grenzanlagen. Heute beherbergt es ein sehenswertes Grenzmuseum; zu sehen sind unter anderem ein Teil der ursprünglichen Mauer, ein Wachturm, eine Hundezwingeranlage und Militärfahrzeuge, darunter ein sowjetischer Panzer. Im Gebäude gibt es eine kleine Ausstellung über die deutsche Teilung und Filmvorführungen. Von Benreis – CC BY-SA 4.0
Mitten durch den Ort verlief die ehemalige Staatsgrenze der DDR, wodurch Mödlareuth so etwas wie ein „Mini-Berlin“ mit allem Drum und Dran war: Im Kern der Kleinstadt befanden sich eine 700 Meter lange Mauer und mehrfach versetzte Grenzanlagen. Heute beherbergt es ein sehenswertes Grenzmuseum; zu sehen sind unter anderem ein Teil der ursprünglichen Mauer, ein Wachturm, eine Hundezwingeranlage und Militärfahrzeuge, darunter ein sowjetischer Panzer. Im Gebäude gibt es eine kleine Ausstellung über die deutsche Teilung und Filmvorführungen. Von Benreis – CC BY-SA 4.0

Zum einen kannten die meisten Berliner im Westteil niemanden im Osten. Wo auch immer Menschen lebten, es war immer noch eine Großstadt. In Mödlareuth kannte jeder jeden auf beiden Seiten der Mauer. Ein Mann war sogar von seinem Bruder getrennt.

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Die Teilung einer so kleinen Stadt erforderte von den Sowjets einen anderen Ansatz. Sie schickten fünf Stasi-Spione dorthin, doch die Bewohner erkannten sofort, dass es sich nicht um Einheimische handelte, und mieden sie, sodass sie nichts erfuhren.

Als George Bush unter Präsident Ronald Reagan Vizepräsident der USA war, besuchte er Modlareuth. Den Anwesenden auf der Westseite der Mauer sagte er, diese sei „eine noch größere Obszönität“ als die bekanntere Berliner Mauer.

Am 9. November 1989 begann der Fall der Berliner Mauer. Am 5. Dezember baten die Dorfbewohner im Osten ihren Bürgermeister, die Mauer zu öffnen. Zwei Tage später begannen Pioniere des Grenzschutzes mit dem Abbau. Ab dem 9. Dezember konnten die Dorfbewohner wieder ungehindert zwischen beiden Seiten hin- und herreisen.

Heute ist in der kleinen Stadt nur noch ein Teil der Mauer erhalten, der zusammen mit zwei Wachtürmen als Freilichtmuseum dient. Die Grenze ist jedoch seit 65 Jahren unverändert und trennt die beiden Teile der Stadt.

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