„Ich war sechs Minuten lang tot und habe den Himmel erlebt – das habe ich miterlebt.“…
Julie Pooles Erfahrung bewegt sich in einem vielschichtigen Spannungsfeld zwischen persönlichem Wunder und symbolischer Deutung. Als Überlebende schweren Kindesmissbrauchs schildert sie ihre Nahtoderfahrung nicht als Flucht vor dem Leben, sondern als eine eindringliche Rückkehr zu ihm. In der Welt, an die sie sich erinnert und die sie später als „Geisterwelt“ bezeichnete, habe es kein Urteil gegeben, keine Schuldzuweisung – nur ein tiefes Gefühl von Sinn und Zugehörigkeit. Ihr wurde vermittelt, dass ihr Dasein weiterhin Bedeutung habe und dass selbst tiefes Leid in etwas Wandelbares übergehen könne: nicht zwangsläufig in Narben, sondern in Mitgefühl und Hoffnung.
Auch ihre später formulierte Vision eines sogenannten „Goldenen Zeitalters“ zwischen 2012 und 2032 lässt sich auf unterschiedliche Weise lesen. Für manche mag sie wie eine spirituelle Prophezeiung klingen, für andere eher wie der Ausdruck einer sehnsüchtigen Hoffnung in einer Zeit globaler Unsicherheit. In einer Welt, die von Vertrauensverlust, institutionellem Zerfall und dem Offenlegen lang verborgener Missstände geprägt ist, wirken Pooles Aussagen über den notwendigen Zusammenbruch korrupter Systeme weniger wie Fantasie als vielmehr wie ein ethischer Appell.
Unabhängig davon, ob man an Engel, Jenseitserfahrungen oder spirituelle Botschaften glaubt, liegt die Kraft ihrer Geschichte vielleicht an anderer Stelle. Sie erinnert daran, dass die Entscheidung, im Leben zu bleiben, Heilung zuzulassen und verantwortungsvoll zu handeln, eine zutiefst menschliche Form von Sinnstiftung sein kann. In diesem Licht erscheint das „Wunder“, von dem Poole spricht, nicht als übernatürliches Ereignis, sondern als leise, aber nachhaltige Möglichkeit: dass bewusste Menschlichkeit selbst zu einer Art Jenseits werden kann – hier und jetzt.




